Erkrankungen der Atemwege und der Lunge

Erkrankungen der Atemwege und der Lunge gehören neben den Erkrankungen des Verdauungstraktes, die mit Koliksymtomen einhergehen, zu den häufigsten Gründen für eine internistische Vorstellung. Typische Symptome können Husten, Kurzatmigkeit, Leistungsschwäche oder ein Atemgeräusch sein. Es wird zwischen Erkrankungen der oberen Atemwege und der Lunge unterschieden.

 

Erkrankungen der oberen Atemwege

Die Erkrankungen der oberen Atemwege umfassen Veränderungen der Nasengänge, der Nasennebenhöhlen, der Luftsäcke, des Kehlkopfs, des Gaumensegels, des Rachens und der Luftröhre. Zu den häufigen Erkrankungen der oberen Atemwege gehören beispielsweise das Kehlkopfpfeifen (Stimmbandlähmung), die Gaumensegelverlagerung, oder der Follikelkatarrh (follikuläre Pharyngitis). Typische Symptome bei Veränderungen der oberen Atemwege sind ein Atemgeräusch, einseitiger Nasenausfluss, Husten oder Leistungsabfall unter Belastung.

 

Erkrankungen der Lunge und des Brustfells (Pleura)

Die häufigste Erkrankung der Lunge stellt beim erwachsenen Pferd die chronisch-obstruktive Bronchitis (COB/RAO) dar. Durch ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen kommt es zu einer sich selbst erhaltenden Entzündung mit nachfolgender Einengung der Bronchien. Bei jungen Pferden dominieren Entzündungen von Bronchien und Lunge, die auch auf das Brustfell übergehen können. Erkrankungen der Lunge fallen durch Husten, Kurzatmigkeit und zum Teil auch Fieber auf. Zur Unterscheidung der Erkrankungen stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung.

 

Diagnostische Verfahren

Neben der eingehenden klinischen Untersuchung in Ruhe und unter Belastung, das heißt, der Untersuchung mit den Augen, den Händen und dem Stethoskop, stellt die endoskopische Untersuchung einen wichtigen Bestandteil der Untersuchung der Atemwege dar. Mit Hilfe eines dünnen, flexiblen Endoskops, bestehend aus einer Kaltlichtquelle und einer Kamera, können die verdächtigen Areale optisch dargestellt und, falls notwendig, Proben zur weiteren Untersuchung entnommen werden. Das Endoskop wird dabei am stehenden, leicht sedierten Tier über die Nüster eingeführt (Foto). Unter endoskopischer Kontrolle kann eine bronchioalveoläre Lavage (BAL) gewonnen werden. Alternativ kann über eine Punktion der Luftröhre Tracheobronchialsekret (TBS) abgesaugt werden. Beide Probenarten werden in ein spezialisiertes Labor eingesandt und dort zytologisch und bakteriologisch untersucht. Die Ergebnisse liefern entscheidende Hinweise auf Art, Ursache und sinnvolle Therapie der Erkrankung.

 

Weitere wichtige Informationen können, abhängig vom Fall, über eine röntgenologische Untersuchung erhalten werden. Dies sind überwiegend Erkankungen, die die Schädelknochen mitbetreffen, wie beispielsweise Frakturen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen, aber auch tumoröse Erkrankungen der Lunge, das belastungsinduzierte Lungenbluten oder Erkrankungen des Lungenfells. Insbesondere Erkrankungen des Lungenfells sowie oberflächlich gelegene Areale der Lunge lassen sich zusätzlich sehr gut mit einer sonographischen Untersuchung darstellen. Bei Erkrankungen der oberen Atemwege unter Beteiligung der Schädelknochen kann in Zweifelsfällen eine szintigraphische Untersuchung zur Unterscheidung von unterschiedlichen Krankkeitsbildern hinzugezogen werden.

 

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der entsprechenden Erkrankung. Die meisten Behandlungen Ihres Pferdes werden, nach ambulanter Untersuchung in der Klinik, von Ihnen und Ihrem Haustierarzt im Heimatstall durchgeführt. Veränderungen der oberen Atemwege können zum Teil unter endoskopischer Kontrolle am stehenden Pferd therapiert werden. Häufig  ist zur Nachbehandlung ein kurzer Klinikaufenthalt notwendig. Zur Durchführung von Lungenspülungen oder Behandlung von Intensivpatienten mit Lungenerkrankungen stehen neben Klinikweiden spezielle Boxen für Ihr Pferd zur Verfügung, welche besonders staub- und reizarm sind.